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Definition von Experteninterviews

Experteninterviews sind der qualitativen Forschung zuzuordnen. Wie schon der Name verrät, handelt es sich bei Experteninterviews um qualitative Interviews mit Experten. Experten sind in diesem Kontext Interviewpartner, die ein Spezialwissen über den zu erforschenden Sachverhalt aufweisen. Somit sind sie nicht das Objekt der Untersuchung, sondern vielmehr Zeugen, der für die Bachelorarbeit relevanten Prozesse. Dabei kann es sich je nach Forschungsfrage zum Beispiel um Ärzte, Mitarbeitern eines Unternehmens oder Politiker handeln. Die Experteninterviews verstehen sich als eine Methode, um dieses Wissen zu erschließen. Soziale Situationen oder Prozesse werden mithilfe dieser Form des Interviews rekonstruiert. Das Ergebnis ist eine sozialwissenschaftliche Erklärung (Gläser & Laudel, 2009, S. 12-13).

Wann ist ein Experteninterview sinnvoll?

Der Forschungsauftrag des qualitativen Forschens und somit auch der des Experteninterviews ist der des Verstehens. Ein Experteninterview eignet sich daher für Bachelorarbeiten, in denen es zum Beispiel um die Erkundung eines Forschungsfeldes geht (Aeppli, Gasser, Gutzwiller & Tettenborn, 2014, S. 115). Durch die Interviews können individuelle Sichtweisen, Einstellungen, Motive, Bedürfnisse und latente Sinnstrukturen erforscht werden (Helfferich, 2011, S. 21). Wenn Sie also ein spezifisches Thema behandeln, in dem wenig Literatur und Forschung vorliegt und Sie ihrer Forschungsfrage mit dem Wissen und den Einstellungen von einer speziellen Personengruppe (Experten) am besten näher kommen, dann ist das  Experteninterview die beste Wahl für Ihre Bachelorarbeit.

Leitfaden

Qualitative Interviews können in narrativer Form oder mithilfe eines Leitfadens durchgeführt werden. Im Normalfall werden Experteninterview halb-standardisiert (das heißt mit Leitfaden) durchgeführt. Ob ein narratives Experteninterview möglich ist, ist jedoch umstritten (Liebold & Trinczek, 2009, S.32), daher beziehen wir uns im Folgenden nur auf  Experteninterviews mit Leitfaden. Ein Interview mit Leitfaden impliziert, dass der Gesprächsverlauf, die Themen und die Art des Fragens vorbereitet werden, jedoch dem Gesprächsverlauf flexibel angepasst werden (Aeppli, Gasser, Gutzwiller, & Tettenborn, 2014, S. 181). Um dem gerecht zu werden, ist eine ausführliche Vorbereitung des Themas und des Leitfadens essenziell.

Ablauf des Experteninterviews

Nach einer gründlichen Literaturrecherche wird ein Experteninterview in sechs Schritten durchgeführt. Der erste Schritt wurde bereits erwähnt, hier handelt es sich um die Erstellung eines Leitfadens. Vor der Durchführung der Interviews sollte unbedingt ein Pretest durchgeführt. Hier geht es darum den Leitfaden zu testen, um ihn im Anschluss gegebenenfalls zu überarbeiten. In diesem Schritt wird gleichzeitig überlegt, welche Art des Interviews sich am besten eignet (Telefon-, Skype Interview oder ein persönliches Interview). Das hängt besonders davon ab, wie leicht die jeweiligen Experten zu erreichen sind.

Nach der Anpassung des Leitfadens werden die Experten der Studie akquiriert. In diesem Schritt sollten Sie sich überlegen, wie die Zielgruppe am besten zu erreichen ist. Zum Beispiel per Flyer, in Sozialen Medien, an Universitäten oder auf Veranstaltungen.  Wichtig ist es in diesem Schritt nicht die Geduld zu verlieren, denn die Akquise kann manchmal nicht einfach sein (vgl. Flick 2016: 294).

Danach können Sie offiziell ins Feld ziehen und mit der Datenerhebung beginnen. Nicht zu vergessen ist, dass vor dem Interview immer eine  Einverständniserklärung des Experten eingeholt werden muss. Während des Interviews sollte der Leitfaden als flexibles Instrument genutzt werden, sodass das Interview keinen verhörähnlichen Charakter bekommt.

Als Nächstes beginnt die mühselige Transkription des Materials. Diese ist zwar mit einem hohen Aufwand verbunden, ist aber für eine ausführliche Auswertung unabdingbar (Mayring, 2002, S. 89). Eine Hilfe kann hier die Software f4transkript sein.

Der letzte Schritt der Arbeit ist die Auswertung. Hier bietet sich zum Beispiel die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring an (Mayring, 2002). Grundgedanke der qualitativen Inhaltsanalyse ist, dass Texte systematisch analysiert werden, „indem sie das Material schrittweise mit theoriegeleitet am Material entwickelten Kategoriensysteme bearbeitet“ (Mayring, 2002, S. 114). Somit wird das Material zusammengefasst und mit der vorher erarbeiteten Theorie analysiert. Die Inhaltsanalyse kann mit der kostenlosen Software MAXQDA durchgeführt werden. 

Quellen:

Aeppli, J., Gasser, L., Gutzwiller, E., & Tettenborn, A. (2014). Empirisches wissenschaftliches Arbeiten – Ein Studienbuch für die Bildungswissenschaft (3. Ausg.). Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt.

Flick, U. (2016). Sozialforschung. Methoden und Anwendungen. Ein Überblick für die BA-Studiengänge. (3. Ausg.). Hamburg: rowohlts enzyklopädie.

Gläser, J.; Laudel, G. (2010). Experteninterviews und qualitative Inhaltsanalyse. Wiesbaden: VS.

Helfferich, C. (2011). Die Qualität qualitativer Daten (4. Ausg.). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Liebold, R.; Trinczek,, R. (2009). Experteninterview. In S. Kühl, Handbuch Methoden der Organisationsforschung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Mayring, P. (2002). Qualitative Inhaltsanalyse. In P. Mayring, Einführung in die Qualitative Sozialforschung (Bd. 5, S. 114-120). Weinheim, Basel: Beltz Verlag.

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